Gemälde vom Hambacher Fest 1832
Quelle: picture-alliance

Über Pressefreiheit zur Demokratie

Über 30.000 Menschen strömen am 27. Mai 1832 hinauf zu den Ruinen des Hambacher Schlosses in der Pfalz. Es wird die erste politische Massenkundgebung auf deutschem Boden. Redner verlangen die Abschaffung der Pressezensur und die Errichtung einer deutschen Republik.

Handwerker, Bauern und Händler aus der Region, Studenten und Bürger aus ganz Deutschland, Junge und Ältere, Männer und Frauen sind der Einladung nach Neustadt an der Weinstraße gefolgt. Mit so vielen Teilnehmern hatten die Veranstalter, die Journalisten Philipp Jakob Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth, nicht gerechnet.

Der Festumzug zu den Hambacher Schlossruinen gleicht einem Meer aus schwarz-rot-goldenen Fahnen. Aber es sind auch französische und polnische Farben zu sehen. In beiden Ländern hat sich jüngst das Volk gegen die Feudalherrschaft aufgelehnt. Auf dem Hambacher Fest beschwört man die Solidarität aller Völker im Kampf gegen die Obrigkeit und für die Freiheit.

Ein Fluch auf die Fürsten
Zuallererst geht es um die Abschaffung der Pressezensur. Ohne Meinungs- und Pressefreiheit keine Demokratie: Das wissen die Demonstranten, die ihre Kundgebung als Fest getarnt haben. Das wissen aber auch die Obrigkeiten. Deshalb zensieren sie jede Veröffentlichung.
"Um den Einzeldruck veranstalten zu können", klagt Heinrich Heine 1844 im Vorwort zu "Deutschland. Ein Wintermärchen", "musste mein Verleger das Gedicht den überwachenden Behörden zu besonderer Sorgfalt überliefern, und neue Varianten und Ausmerzungen sind das Ergebnis dieser höheren Kritik."

Redner fordern 1832 die Einheit der zersplitterten deutschen Länder, aber auch schon ein  "conföderiertes, republikanisches Europa". Sie beenden ihre Vorträge mit einem dreifachen Fluch auf Könige und Fürsten. Sogar ein erster Aufruf zur Organisation der Arbeiterschaft geht von Hambach aus.

Ideen lassen sich nicht einsperren
Den Regierungen der deutschen Staaten fällt nichts anderes ein, als mit verschärfter Zensur und Repression zu reagieren. Die Hauptverantwortlichen des Festes werden verhaftet oder müssen fliehen. Die Berichterstattung über das Fest soll verhindert werden – und doch spricht sich herum, was sich bei Neustadt zugetragen hat und gesagt worden ist. Die Idee der deutschen Republik ist in der Welt und lässt sich nicht mehr einsperren.

An vielen Orten Deutschlands findet die Kundgebung Nachahmer. An dem Frankfurter Wachensturm 1833 und auch an der Märzrevolution 1848 sind Teilnehmer des Hambacher Festes beteiligt. Und 1863 kommt es schließlich auch zur Gründung des "Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins".

Eine Vielzahl sozialdemokratischer Zeitungen blüht auf, besonders an Orten, an denen die Zensur schwach ist. Sozialdemokratische Journalisten wie Wilhelm Liebknecht oder Wilhelm Hasenclever, die Gründer des "vorwärts", müssen immer wieder mit Haftstrafen rechnen.

Auch heute lassen sich die Ideale von Freiheitsbewegungen nicht aufhalten und sprengen die Ketten der Unterdrückung. In der "Arabellion" erheben sich Menschen von Tunesien bis Syrien gegen autoritäre Regime. In China wehren sich 2013 Journalisten gegen staatliche Zensur.

Mit der Europäischen Union ist das Grundgerüst eines "conföderierten, republikanischen Europa" geschaffen worden. Die SPD will es weiterentwickeln. Sie steht für ein soziales Europa der Bürger. Sie steht in der Tradition des Hambacher Festes. (to) 

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