Mauerbau
Quelle: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Standhaft gegenüber schreiendem Unrecht

Am frühen Morgen des 13. August 1961 riegeln Volkspolizei, Volksarmee und Betriebskampfgruppen der DDR die Übergänge in den Westteil Berlins ab. Sie beginnen mit dem Bau einer Mauer quer durch die Stadt. Menschen in Ost und West sehen es mit fassungslosem Entsetzen.

Willy Brandt ist Regierender Bürgermeister von Berlin. Um 9.15 Uhr leitet er eine Sondersitzung des Senats.

Wenige Tage später verleiht Brandt auch im Deutschen Bundestag der Stimmung Ausdruck, die viele Menschen nicht nur in Berlin bewegt: "Was geschehen ist, ist mehr als ein schreiendes Unrecht. Was zusammengehört, ist weiter auseinandergerissen, es wird brutal zerschlagen."

Dreiste Lügen der SED-Führung
Mit der Mauer zementiert die SED-Führung die deutsche Teilung. Die Versicherung Walter Ulbrichts – "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten" – geht als eine der dreistesten politischen Lügen in die Geschichte ein.

Willy Brandt kann den Bau nicht aufhalten. Auch die alliierten Schutzmächte Berlins und der Bundesrepublik wollen keinen Krieg mit der Sowjetunion. Aber Brandt setzt fortan alles daran, für die Menschen Breschen zu schlagen. Dank dem von ihm erreichten Passierscheinabkommen können gut zwei Jahre später Bürgerinnen und Bürger aus dem Westteil Berlins über Weihnachten 1963 zum ersten Mal wieder ihre Verwandten in Ostberlin besuchen.

Der junge Ostberliner Wolfgang Thierse steht dabei, als die ersten Bürger die Grenzmauer passieren dürfen. Später wird er 

sagen, er habe in diesem Moment begriffen, was beharrliche Politik bewirken kann. Seither sei er Sozialdemokrat. Bis 1966 gelingt es insgesamt viermal, ein solches Abkommen zu erreichen und millionenfaches Wiedersehen zu ermöglichen. Ab 1971 können Westberliner regelmäßig den Ostteil der Stadt besuchen.

Politik für Menschen
Auch als Bundeskanzler arbeitet Willy Brandt leidenschaftlich für "Wandel durch Annäherung" beider deutscher Staaten und der Blöcke in Ost und West. Bei den Abkommen mit der DDR und den Verträgen mit Polen, der CSSR und der Sowjetunion kommt seinem langjährigen Vertrauten und Bundesminister für besondere Aufgaben, Egon Bahr, die zentrale Verhandlungsrolle zu.


Willy Brandt kann knapp zwei Jahrzehnte später erleben, wie seine Politik Früchte trägt. Am 10. November 1989, dem Morgen nach der Maueröffnung, ist es ein Journalist der Berliner Morgenpost, der bei einem Interview auf den Stufen des Schöneberger Rathauses zum ersten Mal den dann berühmt gewordenen Satz Willy Brandts notiert: "Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört."

Mehr als zwanzig Jahre nach dem Mauerfall ist die innere Teilung Deutschlands noch immer nicht voll überwunden. Zum Beispiel haben ostdeutsche Arbeitnehmer geringere Rentenansprüche als westdeutsche. Die SPD setzt sich in ihrem Rentenkonzept dafür ein, auch diese Spaltung endlich zu beenden. (ts/uk)

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