Stephan Born 1848
Quelle: AdsD / Friedrich-Ebert-Stiftung

"Wir befreien uns selbst"

In der Revolution von 1848 stehen Bürger und Arbeiter Seit' an Seit'. Doch kommt es zum Bruch zwischen ihnen, und die Revolution scheitert.

1848 erschallt erneut der Ruf nach Revolution, dieses Mal auch in Deutschland: nach Abschaffung von Monarchie und Feudalsystem, von Zensur und Ständewesen, nach Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. "Alle Menschen werden Brüder!" Alle, das heißt, auch Arbeiter. In Frankfurt tritt erstmals ein Parlament zusammen, das den Anspruch erhebt, Deutschland auf demokratische Weise zu einen.

Im März kommt es zu Aufständen. In Berlin vereinigen sich Bürger aller Stände im Protest gegen das alte Regime. Es kommt zu Barrikadenkämpfen. Preußische Soldaten schießen auf das Volk. Doch der Protest erlahmt nicht. Der König gibt nach. Die toten Demonstranten werden im Schlosshof aufgebahrt und finden ihre letzte Ruhe auf einem eigens angelegten "Friedhof der Märzgefallenen". Es sind Märtyrer der Demokratie.

Freiheit durch Selbstorganisation
An vielen Orten sind Arbeiterbildungsvereine entstanden. Unter dem Eindruck eines allgemeinen Aufbruchs der Gesellschaft gründet sich im April 1848 in Berlin ein "Central-Comité der Arbeiter" und ruft zu einem "Allgemeinen Deutschen Arbeiter-Kongress" auf. Am 23. August findet er statt, ebenfalls in

Berlin. Der führende Kopf der Bewegung ist Stephan Born, ein Schriftsetzer. Ihr Motto: Freiheit durch Selbstorganisation. Die  Anwesenden streben den Zusammenschluss aller Arbeitervereine an und gründen als Dachverband die "Allgemeine Arbeiterverbrüderung". Zum Sitz wird Leipzig bestimmt.

Längst nicht überall ist der Ruf nach Einigkeit erhört worden. Zwar findet im Folgejahr auch im Königreich Bayern ein Arbeiterkongress stattin Nürnberg –, und Delegierte von 46 Arbeitervereinen sind Stephan Borns Aufruf gefolgt, doch der revolutionäre Schwung erlahmt. Das alte Regime gewinnt bald wieder die Oberhand.

1848er fliehen ins Ausland
Der K
önig von Preußen, inzwischen wieder zu Kräften gekommen, lehnt  es ab, sich von einem Parlamentvom Volk!zum deutschen Kaiser krönen zu lassen. Nach der Auflösung des Paulskirchen-Parlaments setzt eine Verhaftungswelle ein. Viele Revolutionäre fliehen ins Ausland, vor allem in die Schweiz und in die USA.

Die Niederlage der Revolution macht deutlich: Nicht alle Demokraten haben dieselben Interessen. Das von Karl Marx und Friedrich Engels verfasste und glänzend geschriebene "Kommunistische Manifest" stößt besitzende Bürger ab und lässt sie den Schulterschluss mit reaktionären Kräften suchen.

Die Arbeitervereine werden sich in der Folge nicht mehr von Parteien vertreten fühlen, die sich zwar demokratisch nennen, aber in denen die Interessen von Industriellen und anderen Besitz-Bürgern dominieren.

Mangelnde Einheit der Bewegung
Stephan Borns Versuch, alle Nicht-Besitzenden zusammenzubringen, ist gescheitert, aber nicht vergessen. 15 Jahre sp
äter gründet sich in Leipzig der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV): die Geburtsstunde der Sozialdemokratie.

Doch die Einheit der Bewegung bleibt gefährdet. Immer wieder wird manchen die beständige Suche nach Ausgleich, nach einer Balance zwischen Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität – also nach Kompromissen – nicht radikal genug sein.

Auch heute sind nicht alle, deren Ziel eine soziale Demokratie ist, in der SPD versammelt. Die mangelnde Einheit der Bewegung ist die Stärke ihrer Gegner. (uk)

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Altbundeskanzler Helmut Schmidt stirbt. Er wird 96 Jahre alt. Schmidt hat die deutsche Politik geprägt wie kaum ein anderer, als Senator in Hamburg, als Minister unter Willy Brandt und von 1974 bis 1982 als Bundeskanzler.

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